inde-ich/”>gesellschaftße, ey!”
Das ist das, was rauskommt, wenn man den langen, langen Artikel aufs
Wesentliche reduziert. Bei mir jedenfalls.
Das fängt schon damit an, daß Maresch alle möglichen doofen
Eigenschaften unter “typisch deutsch” subsummiert und sich dabei
selber
einer als “typisch deutsch” bekannten Kommunikationsweise
bedient, nämlich intellektuell verpacktem Dauergenörgel. Na sicher
machen unsere Medien aus Hamsterblähungen Wirbelstürme, und
selbstveständlich ist für besagte Medien der eigene Tellerrand oft
genug der Himalaja. Jetzt sagen Sie mir aber bitte mal, wo das anders
ist, Herr Maresch - wo genau waren Sie in Urlaub? Ich war oft genug
im Ausland, ich habe Bekannte auf fast allen Kontinenten, und wenn
alle Stricke reißen gibts ja auch noch das Internet - aber nach
meinen ganz subjektiven Eindrücken findet die “gefühlte
Verkorkstheit”, die Maresch Deutschland diagnostiziert, so oder
ähnlich in den meisten Ländern des “westlichen Abendlandes” statt -
in Großbritannien wie in den USA, in Österreich wie in Schweden.
Haben Leute wie Hanning Mankell oder diese seltsame Frau Jelinek
objektiv etwa weniger Gründe, intellektuell über ihr jeweiliges Land
zu meckern, als ein Maresch? Okay, Intellektuelle *müssen* meckern,
dafür sind sie da (nehme ich an). Aber das Grundgemecker
unterscheidet sich kaum, egal über welches Land und dessen
beschränkte Politik, gleichgeschaltete Medien und doofe Bevölkerung
gerade
räsoniert wird.
Jetzt werden wir mal konkreter. Wenn ich richtig gelesen habe, findet
Maresch
- daß die deutsche Meckerkultur Innovationen verhindert, zb. eine
Reform des Bildungssystems nach skandinavischem Vorbild. Soweti ok.
Aber er analysiert nicht, sondern beschränkt sich auf “gefühlte
Hindernisse”. Und ich bin zwar der letzte, der bei jeder Kritik
losnölt “machsdochbässa!”, aber: wer einen dermaßen langen Artikel
schreibt und dabei nur sein “gefühltes Unbehagen” über alle möglichen
Sachen ausbreitet (und damit einen irgendwie ursächlichen
Zusammenhang zwischen allen Problemen, die er sieht, voraussetzt, ihn
aber nicht wirklich benennen kann), aber weder sachlich die Fehler
aufzeigen noch Alternativen vorschlagen kann, der setzt sich für mich
dem Verdacht der Profilneurose aus.
Es wäre doch so schwer nicht: *wer* verhindert die Umstellung des
deutschen Bildungssystems in Richtung “skandinavisch” (ich nehme das
nur als Beispiel, weil Maresch selber kein konkretes Beispiel genannt
hat), *warum*, dh aus welchen Motivationen heraus wird dies
verhindert (Kompetenzgerangel, Bürokratie, Geldmangel,…), *welche*
Maßnahmen sind machbar, um das Ziel doch noch zu erreichen und
*welche* Alternativen sind möglich?
Das ist zwar sehr vereinfacht, aber imho ein besserer Denkansatz als
längliches Geschwurbel.
- daß auf Kirchhof zu Unrecht herumgehackt wird, weil er sich doch so
viel Mühe gemacht hat und es nicht verdient, aus wahlkampftaktischen
Gründen gedisst zu werden.
Ja und? Wer sich in den Wahlkampf begibt wird nicht mit
Wattebäschchen beworfen, das müßte ein Kirchhof eigentlich wissen,
ein Maresch übrigens auch. Und inhaltlich kommt da nichts weiter: es
entsteht zwar der Eindruck, daß Maresch Kirchhof irgendwie gut
findet, aber warum wird nicht gesagt.
- daß “die wirklichen Probleme weggedrückt” werden.
Was jetzt aber diese ominösen wirklichen Probleme sind wird nicht so
recht klar, es wird nur wortreich kritisiert, daß es sowieso
scheißegal ist, wer an der Macht ist, da diese Macht ja gar keine
genügend breite Basis hätte, um etwas bewirken zu können.
Wo waren Sie noch gleich im Urlaub, Herr Maresch? In Schlaraffistan
ist die Lage natürlich gaaanz anders, da gibts weder
Brüsselbürokraten noch Landesfürsten, auch keine Lobbygruppen und
Banken, und die Reichen zahlen da auch schön ihre Steuern (was sie
nach Kirchhofs Modell gaaanz klar auch machen würden - wenn man die
Wahl hat zwischen 40%, 25% und 0% Abgabe, dann entscheidet man sich
natürlich aus irgendwelchen ganz plausiblen Gründen für die 25%,
gelle?) - also kann da die Bundespolitik natürlich viel mehr und
besser reformieren. Ist ja auch genug Geld da. Weil, Deutschland ist
nämlich pleite, und zwar so pleite, daß es viel pleiter ist als alle
anderen. Ja wenn denn das stimmt, wenn alle anderen Länder rund um
uns rum viel weniger pleite sind - dann wäre doch auch eine kurze
Nenung der Gründe angebracht in einem derart langen Artikel, oder?
Die gefühlte typisch deutsche Knorxeligkeit reicht mir da irgendwie
nicht, Herr Maresch.
- daß “die Jugend von heute” ja nur die Eltern usw. belastet -
letzter Absatz des Artikels. Das kommentiere ich gar nicht weiter,
ich habe selten so einen argumentlosen pauschalisierenden Schwachsinn
gelesen. Lehrer sind auch alle Faulenzer und Arbeitslose Abzocker,
schon klar.
Fazit:
Laut Maresch ist Deutschland voll scheiße (besonders die Jugend), die
Medien sind doof, die Politiker haben keinen Einfluß und versuchen
nur an der Macht zu bleiben, und in anderen Ländern ist das viel
besser, aber es ist nicht nötig die Gründe dafür zu benennen, *warum*
es hier so scheiße ist und was die anderen besser machen, und was
genau man hier machen kann, damit es besser wird.
Dieser Artikel war typisch deutsch, Herr Maresch. Wenn Sie die
Ansicht vertreten, daß Intellektuelle tatsächlich noch irgendeinen
Einfluß auf