> Die Gesellschaft (genauer gesagt, die gesellschaftlichen
> Institutionen) ist weder gleichmachend, friedensbewegt noch
> humanitätstrunken, im Gegenteil. Und es ist schon eine Frechheit, das
> letzte bisschen Anstand, Mitgefühl, Gerechtigkeitsempfinden und
> Courage, das hier und da noch vorhanden ist, für solche Katastrophen
> verantwortlich zu machen.
Dies hat mich auch irritierend. Weder sehe ich eine Gleichmacherei,
im Gegenteil, das sogenannte Unterschichtenproblem zeigt ja auf, dass
eine Gleichmacherei gar nicht möglich ist und auch nicht gewollt.
Humanitätstrunken und friedensbewegt? In Zeiten, in denen
Ellbogenmentalität alles ist um vorwärts zu kommen, in denen das
“sich durchboxen” die einzige Möglichkeit ist, vielleicht irgendwann
nicht zur “Unterschicht” zu gehören, in Zeiten, in denen mehr und
mehr “humanitäre Auslandseinsätze” der Bundeswehr zur Tagesordnung
gehören und Krieg von vielen befürwortet wird - im Kampf gegen was
auch immer?
So ich derzeit im richtigen Lande verweile (Deutschland), so fällt
mir hier eher auf, dass die Gesellschaft einen Egoismus, verbunden
mit einer Gewaltbereitschaft zeigt, die sich schon im Kleinsten
manifestiert. So gilt es als völlig normal, dass sowohl alte Leute
als auch Mütter mit Kindern, Jugendliche und Geschäftsleute etc.
gleichermaßen sich ihre Busplätze mit den Ellbogen erkämpfen. Die
Oma, die mit ihrem Stock dem Jungen gegen das Bein haut ist ebenso
wenig eine Seltenheit wie die Mutter, die einen rabiat zur Seite
drängt um die Bank zusammen mit dem Kind zu bekommen etc. Schon bei
einer Kleinigkeit wie einem Busplatz ist es also gesellschaftlich
mittlerweise Usus, sich auch durch körperliches Verhalten
durchzusetzen. Abgesehen von den stets verlachten Menschen,d ie
Lichterketten bilden oder für Frieden demonstrieren, sehe ich wenig
Friedensbewegtheit und Humanitätstrunkenheit. Eher eine Neigung, das
darwinsche Denken als Status Quo zu etablieren.