> Ist es möglich daß der bewußt handelnde, kommunizierende, lesende und
> schreibende Mensch nur ein Sonderfall in einer
> Ballermann-Gesellschaft ist?
Ich glaube nicht, daß es “die” Spaßgesellschaft überhaupt gibt.
Natürlich gibt es einen gewissen Anteil Menschen, die nach der Arbeit
eher seichte Unterhaltung suchen. Das ist aber, mit steigender
Wichtigkeit der werberelevanten Zielgruppe in der Unterhaltung, ein
Vorgang, der diese Gruppe lediglich ins Zentrum der Aufmerksamkeit
rückt. Der/die Durchnittsdeutsche geht (wahrscheinlich) arbeiten,
versorgt 1,x Kinder, macht sich Sorgen um den Job und hat Abends
keine Lust, sich mit weiteren Problemen zu beschäftigen.
Das dieser Lebensstil immer früher einsetzt, liegt vielleicht am
Trend der sog.Globalisierung. Um konkurrenzfähig zu bleiben, muss
immer mehr geleistet werden, die Kinder sollen schon mit 4 Jahren in
die Schule, Ausbildungsplätz sind rar und schon bei Teenagern steigt
der Leistungsdruck auf Migräne-Niveau. Das alles gab es zwar in
ähnlicher Form früher auch, aber eben nicht die allgegenwärtigen
Medien, die nach immer höheren Quoten streben.
So kann man tatsächlich den Eindruck bekommen, daß eine
Spaßgesellschaft existiert.
Schönes Beispiel ist die Sendung “bizz” mit ihrem Untertitel “Job,
Geld, Leben”. So einfach scheint die Formel für unser Streben zu
sein. So gesehen würde ich es eher als Konsumgesellschaft bezeichnen,
die ja auch eine Art “Survival of the Fittest” zelebriert. Kein Job,
kein Geld, kein Leben - und damit Ausschluß aus der Gesellschaft.
Wenn man aber genauer hinsieht, dann gibt es durchaus genügend
Angebote die nicht auf dem Niveau von “Gute Zeiten Schlechte Zeiten”
dahindümpeln. Auch die Erfolge von Sendungen wie “Das literarische
Quartett” oder “Lesen!” zeigen, das offenbar doch mehr Menschen an
ernsthafteren Themen interessiert sind, als das Programm von RTL