Der Stau wirkt - Die Inzest-Gesellschaft
Posted by admin on 26 Jul 2008 at 06:02 pm | Tagged as: Allgemein
gesellschaftann ich die gemachten Beobachtungen nur bestätigen. Sie
lassen sich durch beliebig viele Beispiele auch ergänzen. Das ist ein
ganz neuer Typus von Unfreiheit, der nicht mehr auf der Unterdrückung
durch einen Machthaber, seiner Clique oder dem Staat beruht, sondern
auf einer allgemeinen Immobilität aller durch alle. Statt einer
“Hobbesschen Welt”, in der das Soziale total zerfallen ist und jeder
seinem raubtierhaften Egoismus in brutaler Zwanghaftigkeit folgt, ist
die soziale Dichte so hoch, dass niemand niemandem ernsthaft weh tun
möchte. Es ist eine komplett vernünftige Welt, in der der eigene
Egoismus immer schon reflektiert ist. So wie bei der “Bestreikung”
des öffentlichen Nahverkehrs vergangenen Donnerstag in München, wo am
Ende doch Ersatzbusse eingesetzt wurden, um das befürchtete
Verkehrschaos nicht ausbrechen lassen. Oder bei den Warnstreiks
meiner Kollegen, die diese vornehmlich in der Mittagspause
durchführen, um der Firma nicht ernsthaft zu schaden, wodurch sie
sich wieder selbst in Gefahr bringen würden. Individualität darf sich
in der Mode und im Musikgeschmack ausdrücken, aber keinesfalls in
einem eigenen Willen, der sich radikal selbst will. Nietzsche hatte
noch beklagt, dass die Schwachen sich zusammentun, um die Starken zu
schwächen, d.h. das Ressentiment befördern. Wo nun an dieser
Leitdifferenz im Totalstau anknüpfen? Die Angst vor der
Globalisierung und das virtuelle Feindbild des “Neoliberalen” wird ja
nicht zuletzt auch deswegen so intensiv beschworen, weil sie die
Vernunft der Selbstbeherrschung der Massen durch Bewegung
unterwandern. Die Subversion ist schon lange nicht mehr “links”. Die
einst so pathetisch gefeierte Bewegung ist die Bewegung der Anderen
geworden, jener asozialen Subjekte, die sich ihre freie Fahrt
ungeniert nehmen und die anderen im Stau zurücklassen. Die Bewegung
des Kapitals geht ihnen voran und ist ihr Glück an dem sie teilhaben
wollen, ganz egal wo. Dagegen versuchen alle guten Kräfte das System
zu restaurieren, den Sozialismus mit kapitalistischen Mitteln auf
Kurs zu halten und weiter zu bremsen.
Tloen