gesellschaftganz gewiß kein Wunderland für Idealisten wie mich, aber
unter der genannten Prämisse “Soylent Green” ist es dort dann auf
jeden Fall kuscheliger, als im kranken Westen. Drum hab ich dieses
Land als extremes Beispiel genannt.
Dort ist die Wahrscheinlichkeit des Einfalls der “zivilisierten”
Interventions-Chirurgen ziemlich gering, es gibt in dem Land kaum
was, was sich auszubeuten lohnt. Selbst mit Anbauflächen für
Monsanto-Produkte schaut’s dort mau aus. Auch gibt es die
“Notwendigkeit” die Leute dort zu einem Krieg gegen Äthiopien
aufzuhetzen nicht mehr. Die würden das auch gar nicht mehr mitmachen,
war dies doch der Grund für einen verheerenden wirtschaftlichen und
strukturellen Zusammenbruch, der Elend, Bürgerkrieg und Hungersnot
auslöste.
Unsere Boys tauchten dort in einem Moment auf in dem sich das Land
von dieser Katastrophe wieder erholte, sie sollten wenigstens etwas
von den ganzen Krediten, die dem vormals regierenden Diktator für
Panzer und Gewehre in den Rachen geworfen wurden, zurückholen.
Außerdem konnte ein bißchen Übung nicht schaden. Dachten sie! Sie
haben sich dort ja eine ziemlich blutige Nase geholt.
Über das “wie” sollte so manch einer hier mal genauer nachdenken. Das
ein paar GIs derart grausam massakriert und an Eseln durch die
Straßen geschleift wurden, war gewiß kein geplantes politisches
Zeichen, sondern der Haß der entstanden war, nachdem zuvor die
pakistanischen Hilfsbüttel mit ihren Maschinenpistolen in eine
Demonstration mit Frauen und Kindern geschossen haben. Den
Kameramännern haben sie nichts getan, was davon zeugt, daß sich schon
noch zwischen Verbrechern und Anderen zu unterscheiden wußten. Und so
gingen die Bilder um die ganze Welt. Ein paar zerhackte Soldaten
öffentlich präsentiert und die Sache war gegessen. Dies dürfte
wesentlich mehr zur Ausbreitung der psychologischen Kriegsführung in
der islamischen Welt beigetragen haben, als 1000 Haßpredigten. Der
Effekt, daß über einen toten Weißen mehr Geschrei gemacht wird, als
über eine ganze Stadt voll “Neger” oder “Kaffern”, gibt ihnen immer
wieder von neuem die Bestätigung der Richtigkeit dieses Vorgehens.
Alles in Allem wird Somalia in einigen Jahren zur echten Alternative
werden. Es gibt dort den ganzen Schmutz und das Elend, das es hier
dann auch geben wird. Allerdings ist dort dann die Bonzen-Dichte
nicht so hoch.
Natürlich werden sich Neoliberale jetzt in ihrem seelisch-moralischem
Grabe umdrehen. Doch die werden in einigen Jahren in hermetrisch
abgeriegelten von Stacheldraht gesäumten Zonen leben, privater
Sicherheitsdienst im Wachturm inklusive. Dort werden sie dann Golf
spielen, Abends ins Casino gehen und alles in Ordnung finden. Sie
machen sich keine Vorstellung davon, wie es sein wird, außerhalb
dieser Zonen zu leben - wozu denn? Soylent Yellow gibt’s übrigens
heute schon in den Lebensmittel-Discountern, aber das ist jetzt schon
wieder Sarkasmus.
Natürlich ist das jetzt eine böse Provokation. Ich bin schon noch
Optimist! Ich schau mir zum Beispiel die ganzen Kiddies an, vor allem
jene, die ein politisches Bewußtsein entwickeln. Natürlich
pubertieren sie und das wirkt auf Erwachsene reichlich ätzend, aber
die vielen schwarzroten und roten Sterne, die mir da entgegenblinken,
sind für mich ein politischer Sternenhimmel und Anlaß zur Hoffnung.
Mein Plan wäre, die ganzen Neoliberalen, die eine winzige
gesellschaftliche Minderheit sind, aber halt die Macht und die Medien
in Händen halten, in Gulags zu schaffen und zwar auf Ibiza und
Mallorca. Dort können sie sich dann gegenseitig Sportboote vermieten,
Tauchkurse anbieten und so eine freie Marktwirtschaft führen, ohne
dem Rest der Bevölkerung damit auf den Keks zu gehen. Wir räumen
derweil hier den Schaden wieder auf, den sie angerichtet haben.