Wer sich noch fragt, ob er sich den Film anschauen sollte, sollte es
in der Tat tun. Man sollte den Film allerdings nicht als reinen
Actionfilm betrachten, weil man sonst enttäuscht wird.
Die Vorwürfe, die gegen den Film erhoben werden, sind wirklich
lächerlich. Ich gehe einmal auf einige Dinge hier ein, also wer den
Film noch sehen möchte, sollte besser nicht weiterlesen.
Der Film ist alles andere als anti-amerikanisch. Der Film geht sogar
soweit und trennt schon rein optisch die guten amerikanischen
Soldaten von den bösen. Die Bösen sehen alle so aus:
> http://www.maxximumfilm.com/fotograf/kurt/19.jpg
Das sind diejenigen, die im Film die eigentliche Truppe von Billy
Zane sind, die bei jeder Schweinerei mitmachen. Es gibt aber auch
viele amerikanische Soldaten, die in voller Uniform mit Helmen
herumlaufen, wie man es eben aus den Nachrichten kennt. Diese sind
mehr Statisten, sie sind dort und machen ihre Arbeit. Wenn Billy Zane
sagt, sie sollen einen Terroristen suchen, treten sie alle Haustüren
in der Nachbarschaft ein und durchsuchen die Häuser, sie erschießen
dabei aber niemanden. Wenn sie beschossen werden, schießen sie
zurück. Ich glaube der ganze Film zeigt keinen einzigen
amerikanischen Soldaten, der grundlos zuerst das Feuer eröffnet.
Wenn, dann ist es immer einer dieser Muskelprotze.
Die Massaker bei der Hochzeit:
Amerikaner warten in der Nähe darauf, dass zur Freude der Feier in
die Luft geschossen wird. Daraufhin erklärt einer der Muskelprotze
sie alle für Terroristen und sie gehen zur Feier. Dort wollen sie
wissen, wer verantwortlich ist, Papiere etc. sehen. Außerdem
entwaffnen sie die Hochzeitsgesellschaft. Während nun alle rumstehen
und Papiere durchsucht werden, kommt ein kleiner Junge und will einem
Soldaten einen Holzstab in den Mündungslauf schieben (der Soldat hält
das Gewehr normal mit Lauf nach unten, zielt also auf niemanden).
Dabei löst sich dann ein Schuss und der Soldat erschießt aus Versehen
den kleinen Jungen. An seinem Gesichtsausdruck erkennt man ganz klar,
dass der Soldat selbst schockiert darüber ist, was gerade geschehen
ist. Daraufhin stürzt sich die Mutter des Jungen vom Dach (die Frauen
haben die Feier von oben betrachtet). Dann kommt ein Mann mit Gewehr
im Anschlag dorthin, wo sie heruntergefallen ist, und richtet das
Gewehr auf die Soldaten. Diese erschießen ihn in Notwehr, während er
noch sein Gewehr hochzieht. Im Anschluss kommen noch 2-3 Araber mit
Gewehren und eröffnen das Feuer auf die Soldaten. Ein paar werden
getroffen, die Soldaten feuern zurück und erschießen die Bewaffneten.
Währenddessen will die Braut zu ihrem Bräutigam und kriegt einen
Gewehrkolben ins Gesicht. Der Bräutigam schlägt einen Soldaten
nieder, der ihn festhalten will, und rennt auf den Soldaten zu, der
seine Braut niedergeschlagen hat. Dieser zielt auf ihn und verpasst
ihm einen Kopfschuss. Das war’s. Mehr passiert nicht. Es werden das
Kind erschossen (ein Unfall), ca. 3 Männer von Soldaten (in Notwehr),
2-3 Soldaten und der Bräutigam (was als einziges überzogen reagiert
war, aber es war dann auch schon recht chaotisch). Das als Massaker
an der Hochzeitsgesellschaft zu bezeichnen, wie es überall im
deutschen Blätterwald heißt, ist ein Witz.
Die Araber im Container:
Die Szene folgt im Anschluss an die Hochzeitsszene. 2 Soldaten sitzen
in einem Hummer (1 Muskelprotz, ein normaler Soldat), während der LKW
mit den Arabern im Container hinterher fährt. Der Soldat meint, dass
die Leute hinten keine Luft bekommen werden, weil die Fahrt so lang
ist. Der Muskelprotz gibt ihm recht, lässt anhalten, steigt aus und
feuert auf den Container, wobei er mehrere Leute erschießt. Der
Soldat steigt aus und fragt ihn entgeistert, was er da macht. Er
antwortet auf arrogante Art, dass sie jetzt Luft bekämen. Der Soldat
meint daraufhin, dass er das melden werde. Als sich der Schütze
unbeeindruckt zeigt, will der Soldat ihn wegen dieses Verbrechens
festnehmen! Daraufhin zückt der Muskelprotz sein Gewehr und erschießt
ihn. Hier sieht man wieder, dass der Film die normalen Soldaten als
anständig darstellt. Es gibt auch später eine Szene, in der solche
Soldaten mit Kindern Fußball spielen (zwar extrem kurz, aber
immerhin), oder Care Pakete und Fußbälle an Iraker verteilen, die
ihnen zujubeln. Ach ja, dass Amerikaner auf Container in Afghanistan
geschossen haben, ist bekannt. Ob sich einer der Soldaten dagegen
gestellt hat, tja…
Der Doktor:
Hat nur 2 Szenen im Film, ist vielleicht 5 Minuten lang zu sehen,
wenn es hochkommt. In der ersten operiert er einem eine Niere raus
und meint danach, dass der Patient schmerzen haben würde nach der OP
und man ihm deshalb Morphium geben solle. Er bringt diesen Mann also
nicht um. Die Niere kommt in eine Box auf der Tel Aviv steht. Daneben
stehen noch 3 mit London, New York und noch einmal Tel Aviv. Ob das
authentisch ist, wer weiß. Sicher ist, dass es einen Organhandel
gibt, der auch in der Türkei betrieben wird. Da der Film das Ereignis
mit dem Container aus Afghanistan in den Irak verlegt hat, kann er
das mit dem Organhandel genauso getan haben. Man kann die ganze Szene
allerdings auch symbolisch sehen, nämlich dass diese 3 Länder den
Irak ausweiden.
Übrigens, dass der Arzt Jude sein soll, erfährt man hier überhaupt
nicht. Das kommt erst in der 2. Szene vielleicht eine halbe bis eine
Stunde später. Dort redet er mit Billy Zane, welcher sich über
Selbstmordattentäter wundert, die glauben, sie kämen in den Himmel,
obwohl sie gar nicht an Gottes Sohn glauben. Der Doktor entgegnet ihm
dann, dass er damit sagen wolle, ob er auch nicht ihn den Himmel
käme. Das geht dann nocht etwas hin und her, bis der Doktor meint,
sein Volk wäre das einzige, das mit Gott handeln könne. Deutlicher
wird der Film nicht, was den Doktor anbelangt. Und danach kommt er
sowieso nicht mehr vor.
Der Held:
Wird gerne als türkischer Rambo stigmatisiert, arbeitet aber immer
mit seinen beiden Freunden zusammen. Seine eigentliche Absicht ist
es, in den Irak zu gehen, Marshall zu stellen und ihn zu zwingen,
sich und seinen Männern die Säcke über den Kopf zu stülpen, die sie
den türkischen Soldaten über den Kopf gestülpt haben. Damit sollen
sie dann raus gehen und sich von der internationalen Presse
fotografieren lassen. Das ist alles, mehr will er nicht. Erst als
Marshall dem entgeht und zeigt, dass er auch Kinder über die Klinge
springen lässt, wollen sie ihn umbringen. Es geht aber immer nur um
diese eine Person, nicht einmal um Sams Handlanger.
Die Helden sind zudem die meiste Zeit damit beschäftigt, zu flüchten
und sich zu verstecken. Selbst das finale Feuergefecht kommt nur
zustande, weil die Helden entdeckt und von Billy Zane mit seinen
Muskelprotzen gestellt werden.
Hassfilm:
Im Film spricht sich die Figur des Sufi-Meisters gegen
Selbstmordanschläge aus. Die Figur rettet auch einen Journalisten,
der vor laufenden Kameras enthauptet werden soll. Dabei argumentiert
er jedesmal auf Grundlage des Islams gegen diese Praktiken. Man
könnte fast meinen, dass der Film wegen seiner Rolle so auf
Widerstand stößt. Nicht nur haben wir hier einen gebildeten
friedfertigen Araber, der sich um Witwen und Waisen kümmert und
Gewaltakte verurteilt, er sagt trotzdem, dass man der Unterdrückung
mit Gewalt begegnen muss. Für ihn sind die Amerikaner also nicht die
Friedensstifter, sondern Gegner, die man mit Geduld und friedfertig
bekämpfen muss.
Die Amerikaner kommen nur in den Szenen, die Abu Ghraib nachstellen,
wirklich schlecht weg. Hier wird auch das Schema böser Soldat =
Muskelprotz teilweise aufgebrochen. Diese Szenen sind aber recht kurz
gehalten und sind immerhin die am besten dokumentierten. Die Frau,
die die nackten Männer arrangiert, sieht tatsächlich der
amerikanischen Soldatin ziemlich ähnlich.
Es gibt noch einige Szenen mehr, die man ansprechen kann. Im
Vergleich zu dem, was man aus Hollywood kennt, ist der Film relativ
harmlos. Selbst 24 ist da brutaler und moralisch zweifelhafter - über
diese Serie beschwert sich aber anscheinend niemand, obwohl die
Araber, Chinesen etc. da ziemlich schlecht wegkommen. Gewalttätige
Szenen sind relativ rar, es wird ziemlich viel geredet. Der Gorelevel
wird nur am Anfang etwas aufgedreht (so für 5 Sekunden) und dann in
der Marktplatzszene (wo es auch angebracht ist). Der Rest sind
Schießereien, die auch relativ kurz sind und in denen der Held nicht
aus den unmöglichsten Position im vorbeirennen trifft. Die
Schusswechsel sind realistischer gestaltet als das, was man aus US
Filmen kennt (soll nicht heißen, dass sie realistisch sind). Was
Nationalismus anbelangt, kriegt die Türkei bzw. ihre Regierung auch
ihr Fett weg. Und wer den Film als Aufruf zum Großtürkentum ansieht,
hat sowieso ganz andere Probleme.
Ich habe den Film jedenfalls schon weiter empfohlen.