>
> > Die offene deutsche Gesellschaft mag reif genug sein, um so einen
> > Film auszuhalten.
>
> Das ist gewagt. Die deutsche Gesellschaft hat sich beispielsweise vom
> antiamerikanischen Populismus eines Schröder einseifen lassen und
> führt (bspw. in Foren) eine ziemlich einseitige und notabene
> selbstgerechte Sicht
Ich halte es für ungerecht, das als Antiamerikanismus zu bezeichnen.
Damals ging es um die Frage, ob es in Zukunft eine unipolare oder
eine multipolare Welt geben sollte. Im Hintergrund der damaligen
Diskussion standen Thesen von Kreisen um den derzeitigen
US-Präsidenten, nach denen die USA bei Konflikten auf der ganzen Welt
nach eigenem Gusto militärisch eingreifen und diese Konflikte
militärisch lösen sollten. Es hat in meinen Augen nichts mit
Antiamerikanismus zu tun, wenn man der damaligen US-Administration
dieses Recht abspricht, sondern ist berechtigte und notwendige Kritik
an imperialistischen Bestrebungen in gewissen amerikanischen Kreisen.
Dass heute, vier Jahre nach dem Krieg, kaum mehr von solchen
Weltmachtsträumen in den USA gesprochen wird, mag daran liegen, dass
der Verlauf der Ereignisse den Amerikanern ihre Grenzen aufgezeigt
hat.
> (vgl. angebliche Informationen an die USA vom
> BND vor Kriegsausbruch).
Das ist ja eine ganz andere Geschichte. Ich halte es nicht für
abwegig, dass diese Sache von interessierten Kreisen in den USA
verbreitet wurde, um die Schröder-Regierung zu diskreditieren.
> > Aber wie steht es mit der türkischen
> > Parallelgesellschaft, deren Existenz der Autor mit seiner Bemerkung
> > über das “türkische Publikum in einem türkischen(!) Stadtteil
> > anerkennt? Ist die Gesellschaft der in unserem Land lebenden Türken
> > offen, aufgeklärt und tolerant?
>
> Diese Frage muss sich eine Gesellschaft jederzeit gefallen lassen,
> aber alle Teile der Gesellschaft. Wie steht es mit den konservativen
> Regionen in Bayern?
Dorftrotel sind nun mal nicht auszurotten, deshalb muss es auch
Rückzugsgebiete für Dorftrottel geben. Aber bitte nicht in den
Großstädten.
> > In der Diskussion über diesen Film
> > wird immer wieder nach einem Dialog gerufen. Wie soll denn ein Dialog
> > aussehen, wenn die eine Seite sich, wie es in
> > http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,403568,00.html beschrieben
> > wird, als dialogunfähig erweist?
>
> Das ist nun aber wirklich nicht repräsentativ. Daraus solches zu
> schliessen, halte ich für dreist und gefährlich.
Das war nur ein einziges Beispiel. Meine Meinung gründet sich nicht
auf einen SPON-Artikel, sondern vor allem auf persönlichen
Erlebnissen.
> > Das Problem ist eigentlich weniger dieser Film. Das Problem ist wohl,
> > dass _ein Teil_ der hier lebenden Türken integrationsunwillig,
> > dialogunfähig, introlerant und zum Teil rassistisch ist.
>
> So gesagt ist das wahrscheinlich richtig. Andererseits sehe ich auch
> nicht den grossen (umgekehrten) Integrationswillen der Deutschen.
Ich sehe aber auch nicht gerade, dass es in den größeren Städten, in
denen überproportional viele Türken leben, eine besonders
integrationsunwillige deutsche Bevölkerung lebt. Gerade dort sollte
es Ausländern am leichtesten möglich sein, sich in die deutsche
Gesellschaft zu integrieren, aber gerade dort kommt es zur
Ghettobildung.
> > Dieses
> > Problem wird man sicherlich nicht dadurch lösen können, dass man
> > diesen Film verbietet, aber etwas mehr Repression gegen die
> > faschistoiden _Teile_ der hier lebenden türkischen Bevölkerung
> > scheint mir dringend nötig zu sein.
>
> Du erachtest Repression als nötig als Reaktion auf die Verhältnisse?
Repression kann immer nur das letzte Mittel sein, wenn alle anderen
Mittel versagen _und_ wenn man das Problem nicht tolerieren kann. Das
gilt im übrigen nicht nur in Bezug auf Türken, sondern genauso in
Bezug auf Deutsche. Gegen Hassprediger, egal ob diese islamistischen
oder nazistischen Hass predigen, gibt es manchmal kein anderes Mittel
als ein Verbot, das zur Not polizeilich durchgesetzt wird.
Selbstverständlich ist Repression nicht das Allheilmittel. Den großen
Knüppel darf der Staat nur in Ausnahmefällen auspacken und auch nur
sehr dosiert einsetzen. Vor allem darf es nur gegen die Richtigen
eingesetzt werden.
> Du wirst damit scheitern, wie schon viele zuvor.
Die Weimarer Republik ist nicht an zu viel, sondern an zu wenig
Repression gescheitert. Eine mutige Reichsregierung hätte dem Treiben
der Nazis ein schnelles Ende setzen können, indem sie die
Organisationen verboten und ihre Führer unter Hausarrest gestellt
hätte.
> Aber vielleicht hat der schlechte Film auch sein Gutes, nämlich wenn
> er eine Diskussion über Freiheit und Tolerant anstösst.
Vielleicht ist es auch nötig daran zu erinnern, wie manche Feinde von
Freiheit und Demokratie die Toleranz, die man ihnen entgegenbringt,
vergelten.
-ek-