> Ein Wort noch zu den ausufernden Urlaubsansprüchen, die endlich
> gekürzt werden müssen. In diesen schweren Zeiten ist es
> unverantwortlich, mehr als 10 Arbeitstage Urlaub zu gewähren. Man
> schaue auf das Beispiel USA, in der 10 Arbeitstage oft unterschritten
> werden. Diese Republik muss wieder arbeiten und nicht faulenzen!
Und was soll denn mit all der zusätzlichen Arbeitszeit produziert
werden? Fakt ist, daß jedes Jahr mehr Güter mit weniger
Arbeitskräften produziert werden. Daß der Prozeß derzeit durch die
Niedrigstlöhne in China und anderswo gebremst wird, ist nur
vorübergehend. Und erzähle mir jetzt niemand, daß die Arbeitskraft
für Dienstleistungen gebraucht wird. Dienstleistung ist keine Frage
von gesetzlich regulierten Arbeitszeiten, sondern der persönlichen
Einstellung zu sich selbst und zur Gesellschaft. Und genau darum geht
es letztlich - auf allen Ebenen.
Es ist Zeit, genau das den Leuten zu erklären, anstatt ihnen weiter
Arbeitsplätze zu versprechen und die calvinstische Arbeitsmoral
hochzuhalten,
die letztlich dafür verantwortlich ist, daß sich viele
Arbeitslose in Alkohol und Neurosen flüchten. Und diejenigen, die
heute in den Medien so gern mit scheinheiliger moralischer
Entrüstungsgeste als Drückeberger hingestellt werden, sind in
Wahrheit diejenigen, die anderen, die unbedingt arbeiten wollen,
einige der knappen Arbeitsplätze zur Verfügung stellen. Politik und
Medien sollten endlich die Wahrheit sagen: Es wird auch in Zukunft
keine wundersame Arbeitsplatzvermehrung geben. Die Gesellschaft muß
sich darauf einrichten, ihr diesbezügliches Wertesystem über Bord zu
werfen. Je schneller das geschieht, umso besser.