> Die Frage “Woher wissen Sie, dass Person A sozialhilfeberechtig ist?”
> unterscheidet sich wohl erheblich von der Frage: “Wie können wir
> vermeiden, Sozialhilfe auszuzahlen?”
>
> So wird in einer deutschen Großstadt, die ich gut kenne …, eben
> letzte Frage gestellt und zwar in prozessorientieter Weise gestellt.
Diese Stadt heißt nicht zufällig Heck oder Köln?
> Das bedeutet: wie kann ich (aus Sicht des “Kunden”) möglichst
> frühzeitig! Sozialhilfeanfragen abwehren, also “kurzen Prozess
> machen” und diese Abwehr kontrollieren?
Wenn die Abwehr nicht erfolgreich funktioniert, dann kommt es aber
gerade zu eher langen Prozessen. Das dürfte sich herausmitteln.
> Antwort: Jeder der einen Antrag stellen will, muss zunächst einige
> Angaben bei einer zentralen Erfassungsstelle machen und wird dann
> einem Sachbearbeiter zugewiesen. Gemessen wird dann das Verhälltnis
> von angenommenen Anträgen (eigentlich ja Pflicht) und den Bürgern,
> die mit genau dieser Absicht das Sozialamt aufgesucht haben bezogen
> auf die einzelnen Sachbearbeiter.
Verstehe. Die Vorerfassung dient als Raster, um herauszufinden, ob
die Sachbearbeiter vergleichbare Entscheidungen, aufgrund
vergleichbarer
Daten getroffen haben. Gibt es irgendwo Spikes, so
wird interveniert.
> Diese Zahlen werden natürlich intern veröffentlicht. Wer Foucault
> kennt, weiss um den Erfolg solches Vorgehens.
Ich sehe bis hierhin noch überhaupt gar nichts. Meine Prognose ist
die, dass in einem normal arbeitenden Amt, keine aussergewöhnlichen
Auffälligkeiten in der Statistik eines einzelnen Mitarbeiters bemerkt
werden. Es gibt keinen, der überall hohe und keinen, der überall
niedrige Werte erzielt. Ob die Zahlen intern veröffentlicht werden
ist ebensfalls irrelevant, solange sie nicht namentlich kenntlich
gemacht werden. Ob personalisierte HighScore-Listen der Mitarbeiter,
als gelebter Sozialdarwinismus, ausgehängt werden, scheint mir
zweifelhaft. Du magst mich da wiederlegen. Zumindest verfährt man in
keinem mir bekannten deutschen Unternehmen nach dieser Devise,
jedenfalls keines mit Betriebsrat, aber ich kenne freilich nicht
jedes und bei den Scientologen war ich auch noch nicht.
> Dass es natürlich dazu
> kommt, dass Anträge “unrechtmäßig” nicht angenommen werden, würde von
> den jeweiligen Vorgesetzten bei Beschwerden bedauert und als
> Fehlverhalten der Sachbearbeiter abgewälzt, wobei dies aber nicht
> unbedingt karriereschädlich ist…
Das wiederum halte ich für einfach belegbar, indem man die
Entwicklung des Verhältnisses zwischen
Antragstellungen/Antragsablehnungen und Ablehnungen/Beschwerden
erfasst.
Ich stelle mir bei meinen Einwänden, die ich hier mache, die Frage,
ob ich als Amtsleiter, auch ohne die Absicht, das Sozialamt zum
Asozialamt zu machen, nicht Interesse daran hätte statistische Daten
zu sammeln und Unregelmäßigkeiten im Datenberg kritisch zu
untersuchen. Nun bin ich aber auch kein Macho, der sich durch
irgendeine Power-Performance-Rhetorik anmachen lässt, sondern eher
der Typ, der an der Wahrheit und Wirksamkeit seiner Tätigkeit
interessiert ist. Insofern ist mir das pauschale Karriereargument
eher unheimlich und unzugänglich, ich halte es auch nicht pauschal
für falsch…
Tloen