Ah, das ist eine schöne Geschichte.
Erst einmal, Honecker hatte nicht Strauß um Kredite angebettelt. FJS
kannte die Probleme der DDR in der Devisenbeschaffung, die auch in
der BRD nach Möglichkeiten suchte, die durch die Embargo-Bestimmungen
gegen die DDR beschnittenen Welthandelsmöglichkeiten und damit
Devisenerwerb aufzubessern. Aus der Sicht von Strauß bot sich die
Vermittlung von Krediten durch unter anderem die bayrische Landesbank
aus mehreren Grüpnen an. Er zeigt damit der Öffentlichkeit, daß er
außenpolitisch ernstzunehmen war, und sogar mit dem Klassenfeind
zusammenarbeiten konnte, wenn dies notwendig war. Dadurch konnte er
gleichzeitig Kritiker seines Führungstils recht mundtot machen, die
ihn in die rechte Ecke stellen wollten. Als nächstes kommt dann der
Wirtschaftseffekt für Bayern, den diese Kredite ermöglichten. Was
viele nicht wissen, ein Großteil der Kredite (die Gesamtsumme kam oft
über eine bestimmte Menge kleinerer zweckbezogener Kredite zusammen)
war zweckgebunden und mit Auflagen versehen. Beispielsweise mußte für
einen bestimmten Betrag (damals war oft eine Million DM die Zuteilung
für bestimmte Projekte) Rechentechnik für Universitäten erworben
werden, und zwar bei einem bayrischem Großkonzern. Letztendlich nimmt
man auch heute noch an, daß FJS für seine Vermittlung, die er mehr
als Privatmann denn als Politiker tätigte, Provisionen in der damals
üblichen Höhe erhalten hat. Das konnte aber nie bewiesen (jedoch auch
nie wiederlegt) werden. Strauß war kein Freund der DDR, aber er sah
den potentiellen Nutzen für seine eigenen (als Privatmensch,
Wirtschaftler und Politiker) Ziele und nutzte diese soweit es ging
auch aus. Das macht man heute noch genauso, wenn man sich zB
Waffenexporte in sonst geächtete Länder anschaut, oder die Anbahnung
und Vermittlung von Geschäftskontakten in umstrittene
(Kriegs)Gegenden oder postkommunistische Länder.