> Es ist ein wunderbarer Absatz.
Sprachlich kann sich das Heute damit nicht messen, freilich.
> Natürlich vermischt Marx hier die
> Bourgeoisie mit seiner eigenen Analyse …
Kommt mir so vor, als missdeutet Marx und Co. das Bürgertum als rein
materialistisch, während es “seine” Klasse ist, die erst wahrlich
materialistisch eingestellt sein wird, und der nur noch
Geldverhältnisse bzw. natürlich “gesellschaftliche Verhältnisse”
wichtig sein werden….
> … Dabei ist das Ganze aber doch auch ein
> bischen scheinheilig, denn auch er glaubt ja selbst nicht die Bohne
> an das Heilige, an das Ständische und Stehende, an idyllische,
> patriarchale Verhältnisse und altehrwürdige Vorstellungen, kurzum an
> die Schäferromantik, die ihre Sehnsüchte auf das Mittelalter
> projizierte und danach strebte dies zu restaurieren.
Scheinheilig ist das eigentlich nicht, er versucht nur eine
nüchterne” Bestandsaufnahme” zu geben. Diese ist allerdings sehr
irrig und alles andere als zukunftsweisend gewesen. Hätte das
“Manifest” das “Heilige, Ständische und Stehende” als natürlichen
Bündnispartner des Bürgertums gesehen, dann wäre seine politische
Programmatik vielleicht auch “erfolgreicher” gewesen. Dies mal als
gewagte Spekulation.
> Nun gab es für Marx jedoch noch einen anderen, positiven Helden,
> nämlich das Proletariat, dass in seiner rohen Kraft die
> Industrialisierung in Gang hält.
Der Schuh passte dann auch auf verschiedene Füsse, wie die unsägliche
Mythologisierung “Der Arbeiter” von E. Jünger gezeigt hat…
> Weit davon entfernt, die Barbarei
> der Moderne umkehren zu wollen und zum Fürsprecher der Reaktion zu
> werden ( gerade er verwahrt sich dagegen, wie z.B. im mittleren
> Absatz ), wollte Marx die in dieser rohen Natur gebundene Energie
> freisetzen.
Das Ironische scheint zu sein, dass die Barbarei vor allem gerade von
der “Reaktion” auf die Herausforderung der “proletarischen Klasse”
ausging und diese die “rohe Natur” der Industieproduktion ungeteilt
in ihren Vernichtungsorgien einsetzen konnte.
> … Der historische Materialismus hatte nun aber nicht nur die
> Funktion den Idealismus zu überwinden, der die konkrete Analyse
> verkleistert und den klaren Blick entschärft, sondern er sollte auch
> dort Objektivität herstellen, wo gehandelt und verhandelt wird. …
Diesen Totalitätsanspruch machten sich dann auch schnell die
erklärten Gegner zu eigen…
> … Wert .. Arbeitswerttheorie … Mehrwert…
Die theoretischen Ausdeutungen des an sich banalen Handelns und
Handel-Treibens sind so denkbar langweilig! Aus ihnen Machtansprüche
abzuleiten, in der einen oder anderen Form, ist doch arg einseitig!
> ..
> Das ist das berühmte “Chaos der Marktes”, dass nun zum letzen
> Herrscher wird, nachdem die Idee der Herrschaft, die eines
> herrscherlichen Subjekts in ihm ad absurdum geführt wurde.
Das “Chaos des Marktes” kann auch anerkannt werden, ohne ihm eine
“Herrschaft” einzuräumen. Eine “Herrschaft des Marktes” als
Teleologie bedeutet im Praktischen paradoxerweise doch immer
Regulation, Monopole, Staatskontrolle. Ein freier Markt kann nie
“herrschend”, sondern nur “dienend” sein, im besten Sinne des Wortes.
mfG, Otho