>
> > Eine um so größere Bedeutung kommt deshalb meiner Ansicht nach der
> > Jugendaufklärung zu. Der Umschwung in der DDR kam maßgeblich deshalb
> > zustande, weil die nachwachsende Generation systematisch darauf hin
> > gearbeitet hat. Innerhalb von “nur” 30 Jahren war genügend Potenzial
> > vorhanden, den Umschwung FRIEDLICH herbeizuführen, weil fast alle an
> > einem Strang zogen. Das ist in Sachen Revolution beinahe historisch
> > einmalig.
>
> Da übersiehst du aber vieles. Den krassen Gegensatz zwischen
> Massenverarmung und überquellenden Reichtum nur wenige Kilometer
> voneinander entfernt zum Beispiel. Oder die Millionensummen, die
> Franz-Josef Strauß dort für keinen nachvollziehbar in irgendwelchen
> Kanälen hat versickern lassen.
Wie kommst du auf die Idee, ich würde das “übersehen”? Ich glaube, du
hast mich nur falsch verstanden. Ich wollte die ‘Wende’ nicht
makellos reden, im Gegenteil, so wie sie dann tatsächlich war, war
sie alles andere als geglückt.
> Was mir auch bis heute unverständlich
> ist, das ist die vergleichsweise kreuzbrave Vopo. Sowas wie in Genua
> war in der DDR offensichtlich nicht möglich. Der Zusammenbruch der
> DDR hat in meinen Augen mehr von einer Kapitulation, als von einer
> Revolution.
Wovor kapitulierte man denn? In diesem Falle vor der Pleite, dem
Druck des Westens und dem eigenen Volk, dass sich immer mehr in Luft
aufzulösen begann oder aber auf die Straße ging. Revolution ist der
aktiv herbeigeführte Umsturz von etablierten Verhältnissen. Und genau
das war es letzten Endes.
> Ich hoffe, du siehst nicht die Möglichkeit von so viel
> Einsicht bei der kapitalistischen Obrigkeit.
Nein. Mit Sicherheit nicht.
> Das wäre trügerisch,
> denn ich glaube leider nicht, daß die Geschehnisse als Meßlatte für
> künftige Veränderungen herhalten können.
Ich wollte auch überhaupt keinen “Vorbild-Charakter” der Wende für
eventuelle Umwälzungsantrengungen zukünftig herbeizitieren. Wie
gesagt, da hast du mich missverstanden. Ich habe die Wende als
Beispiel dafür hernehmen wollen, dass man es durchaus schaffen kann,
sehr viele Menschen von der Schlechtheit der Zustände zu überzeugen
und davon, sich politisch zu engagieren.
> > Genauso müsste es heute in Sachen Weltordnung sein. Ausreichend
> > Anlass zur Gereiztheit ist imho vorhanden. Man müsste nur gezielter
> > die Jugend einbeziehen und sie zu mehr politischer Bildung anhalten.
> > Da ich selbst noch relativ jung bin, sehe ich mich da schon in der
> > Pflicht und auch in der Lage, die Jugend irgendwie zu erreichen.
> > Deshalb studiere ich nebenbei - man muss schließlich Vorbild sein.
>
> Das sowieso. Und da ich schon relativ alt bin, hoffe ich vor allen
> Dingen, daß ihr Jungen die Leute in meiner Generation mit sanften
> aber steten Tritten mal wieder auf die Straße treibt.
Nana, Alter schützt vor Verantwortung nicht ;o) (im Gegenteil)
Allerdings ist der Zustand unserer Jugend gerade hinsichtlich Bildung
und Engagement bisweilen erschreckend. Wie soll man Jugendliche für
eine friedliche Koexistenz der Kulturen begeistern, wenn man in
Befragungen unverhohlenen Rassismus serviert bekommt, ohne dass diese
Kids diesen auch als solchen erkennen? Und genau das ist ja die Basis
für die Erkenntnis bezüglich der derzeitigen desolaten Weltordnung -
ein Interesse daran haben, dass alle Kulturen respektiert und
geachtet werden müssen, dass es keine “besseren und schlechteren
Rassen” gibt.
> Die schlimmsten
> Übel kann ich dir nämlich auf den Schlag nennen: Bequemlichkeit,
> Resignation und Selbstbetrug. Ich kann mir da den Mund fusslig reden,
> denn wenn die mal anfangen ätzend zu werden, dann nur für die Zukunft
> ihrer Kinder und Enkel.
Stimmt. Hat ja bei mir auch ewig gedauert, bis ich anfing, mich
politisch zu belesen und die Welt etwas aufmerksamer zu betrachten.
Wenn ich König von Deutschland wär’, …. würd ich als erstes an
Schulen das Fach “Politische Bildung” ab Klasse 5 einführen.
> Leider stellt hier die Pubertät mit ihrer narzistischen
> Selbstverliebtheit und dem Abstoß-Mechanismus ein natürliches Hemmnis
> dar, weshalb es in erster Linie auf die Protagonisten unter den
> Jugendlichen ankommt -
> schließlich wäre es ausgesprochen blöd, diese
> ganz natürliche Entwicklung angehen zu wollen (was viele in meinem
> Alter bis zum Exzess tun, wohl der reine Neid auf eure Frische).
*räusper*
Also mit einem Alter so um die 30 würde ich nicht sagen, dass man
mich als “taufrischen” Teenager verkaufen könnte ;oD
Aber im Grunde hast du Recht. Es muss Mittel und Wege geben, den Kids
Politik als etwas nahezubringen, dass man nicht unbedingt abstoßend
finden muss. Jaaa, Politik kann nämlich richtig Spaß machen. Und eine
Erfahrung hab ich schon gemacht: Gewinne die Kids dermaßen für eine
Sache, dass sie sie als “ihre” annehmen - und du wirst staunen, wie
viel Verantwortung und Disziplin 14-jährige dann doch schon an den
Tag legen können - freiwillig.
> Bin da mit meiner Wackersdorf-Veranstaltung ziemlich frustrierend auf
> die Nase gefallen. Es gäbe so viel zu diskutieren, doch die
> Antifa-Kids aus dem autonomen Juz hier haben uns verachtet und
> bekämpft - weil wir als Alt-Autonome auf die offensichtlich noch mehr
> abstoßend wirken, als Gewerkschafter und Grüne. Wir sind halt nicht
> in allem einer Meinung.
Naja, sieht man sich mal die Entwicklung an, die die Antifa in den
letzten Jahrzehnten genommen hat, würde ich mal behaupten, dass das
kein Wunder ist. Ich persönlich halte nicht mehr viel von der Antifa.
Aus mehrheitlich friedensstiftenden Idealen ist meist nicht mehr viel
mehr übrig, als frustrierter Extremismus, bei manchen autonomen
Abspaltungen sogar bis hin zum ideologischen Fanatismus. Wenn ich
einem Antifa-Aufmarsch beiwohne (ist in meinem Viertel öfter mal der
Fall), vermisse ich das Ziel, die Zusammengehörigkeit und den Sinn
der ganzen Aktion.
>
> Falls dich das interessieren sollte, so habe ich gerade heute einen
> link auf einen sehr gut recherchierten Beitrag in Radio Z bekommen:
> > http://stoffwechsel.radio-z.net/index.php?mode=show_article